game, ESBD und Landessportbund Nordrhein-Westfalen: Referentenentwurf zur E-Sport-Gemeinnützigkeit schafft mehr Probleme als er löst

game, ESBD und Landessportbund Nordrhein-Westfalen: Referentenentwurf zur E-Sport-Gemeinnützigkeit schafft mehr Probleme als er löst

Berlin, 08. September 2025 – Der Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums zum Steueränderungsgesetz 2025 enthält erstmals einen Ansatz zur Gemeinnützigkeit des E-Sports in Deutschland. Dieser ist aus Sicht des game – Verband der deutschen Games-Branche, des E-Sport-Bund Deutschland e.V. (ESBD) und des Landessportbunds Nordrhein-Westfalen aber nicht zielführend und schafft am Ende mehr Probleme als er löst. Der aktuelle Entwurf würde zudem die Bemühungen des E-Sports und traditionellen Sports, sich zu organisieren und gemeinsam Wege im Hinblick auf die Olympic Esports Games zu finden, grundlegend erschweren. Besonders kritisch wird gesehen, dass E-Sport im Abschnitt zur Gemeinnützigkeit des Sports in der Abgabenordnung zwingend in die Klammer aufgenommen werden müsste. Sportvereinen könnten E-Sport-Angebote ansonsten nur mit einer Änderung des Vereinszwecks, welche nur mit der Zustimmung aller Mitglieder möglich ist, etabliert werden können. Diese bürokratische Hürde ist in der Praxis in der Regel kaum zu überwinden. Zudem wird mit der alten Gewaltdebatte ein längst geklärtes Thema unnötig neu aufgebracht – zumal Deutschland bereits über die verbindlichsten Jugendschutzstandards in Europa verfügt. Auch fehlt die eindeutige Feststellung, dass die Regelung kein Präjudiz schafft, E-Sport automatisch mit Sport gleichzusetzen.

Felix Falk, Geschäftsführer des game, und Christopher Flato, ESBD-Präsident, kommentieren den Entwurf wie folgt: „Seit Jahren wartet die E-Sport-Community in Deutschland auf die lange von der Politik versprochene Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Dass der aktuelle Referentenentwurf aus dem Bundesfinanzministerium nun erstmals einen entsprechenden Ansatz enthält, ist grundsätzlich ein Schritt nach vorne; inhaltlich geht er allerdings in die falsche Richtung. Insgesamt basiert er auf dem veralteten Textvorschlag, auf den sich schon die Ampel-Koalition nicht einigen konnte. Der jetzige Entwurf passt daher auch so gar nicht zur Games-Politik der derzeitigen Regierung, die bisher sehr zielführend des Games-Standort Deutschland gestärkt hat. Insgesamt muss gelten: Statt überholte Debatten rund um den Jugendschutz neu aufzuwärmen, dessen hohes Niveau in Deutschland eh gesichert ist, sollte die Community ernst genommen und dem E-Sport wie auch den Vereinen die Eigenständigkeit zugestanden werden. Wichtig ist es jetzt ein gemeinsamer Dialog, um eine Gemeinnützigkeit des E-Sports so zu gestalten, dass diese den Vereinen und der engagierten Community auch wirklich weiterhilft.“

Jens Wortmann vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen ergänzt: „Sportvereine, die E-Sport-Angebote schaffen wollen und damit gesellschaftlichen Verantwortung für Medienbildung, Jugendschutz und die Berücksichtigung der Interessen junger Menschen übernehmen, brauchen eine rechtssichere und unbürokratische Regelung der Gemeinnützigkeit. Der aktuelle Entwurf trägt dem nicht ausreichend Rechnung.“

game – Verband der deutschen Games-Branche

Wir sind der Verband der deutschen Games-Branche. Unsere Mitglieder bilden das gesamte Games-Ökosystem ab, von Entwicklungs-Studios und Publishern bis hin zu E-Sport-Veranstaltern, Bildungseinrichtungen oder Institutionen. Als Mitveranstalter der gamescom verantworten wir das weltgrößte Event für Computer- und Videospiele. Wir sind Gesellschafter der USK, der Stiftung Digitale Spielekultur, der esports player foundation, der game events und der Verwertungsgesellschaft VHG sowie Träger des Deutschen Computerspielpreises. Als zentraler Ansprechpartner für Medien, Politik und Gesellschaft beantworten wir alle Fragen etwa zur Marktentwicklung, Spielekultur und Medienkompetenz. Gemeinsam machen wir Deutschland zum Herzen der Games-Welt. Wir bereichern mit Games das Leben aller Menschen.

ESBD – E-Sport-Bund Deutschland e.V.

Der ESBD – E-Sport-Bund Deutschland e.V. – repräsentiert bundesweit den organisierten E-Sport und seine Sportlerinnen und Sportler in Deutschland. Als Fachsportverband ist der ESBD der zentrale Ansprechpartner für die sportliche Ausgestaltung von E-Sport und die Belange der Athleten in dem Bereich. Für seine Mitgliedsorganisationen aus Spitzen- und Breitensport des E-Sports sowie aus dem Veranstaltungswesen bildet der ESBD eine Plattform, auf der sportliche und gesellschaftliche Herausforderungen behandelt werden. Der ESBD unterhält in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bayern sowie Niedersachsen bereits Landesverbände, weitere Untergliederungen des ESBD sind in Planung.

Landessportbund Nordrhein-Westfalen e. V.

Der Landessportbund NRW e.V. (LSB NRW) ist der sportartenübergreifende Zusammenschluss der Sportfachverbände, der Stadt- und Kreissportbünde sowie der sonstigen Sportverbände aus Nordrhein-Westfalen. Als größte Personenvereinigung in Nordrhein-Westfalen vertritt der LSB NRW mit seinen insgesamt 132 Mitgliedsorganisationen die Interessen von über 5,5 Millionen Sporttreibenden in den landesweit rund 17.200 Sportvereinen. Bezogen auf den E-Sport versteht sich der Landessportbund gemeinsam mit seiner Sportjugend als Vordenker innerhalb des Deutschen Sports. Im Rahmen eines vierjährigen, durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Modellprojektes hat die Sportjugend NRW systematisch die Integration von E-Sportangeboten in Sportvereine erprobt und evaluiert und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen entwickelt. Ferner wurden Beratungs- und Schulungsangebote zum E-Sport für Sportvereine geschaffen.



Martin Puppe
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