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Tipps für diversere Panels, Konferenzen und Co.

Es ist noch ein weit verbreitetes Bild: Auf Panels, Konferenzen oder Bühnen sprechen vor allem Männer. Das zeigt auch eine Erhebung von Studierenden der Berlin School of Business and Innovation (BSBI) aus dem Jahr 2019. Demnach betrug der Anteil der Sprecherinnen auf deutschen Tech-Messen 2019 insgesamt 29 Prozent1. Auf Tech-Events außerhalb Deutschlands lag ihr Anteil sogar nur bei 22 Prozent2. Einzelne Events wie die re:publica konnten zwar mit knapp 50 Prozent Speakerinnen auftrumpfen3. Doch solche Werte sind nach wie vor die große Ausnahme.
 
Die Frage, wieso der Anteil nicht-männlicher Diskussionsteilnehmer bei Events so gering ausfällt, wird oft damit beantwortet, dass keine passenden Expertinnen gefunden wurden. Doch keine Sorge: Es gibt sie. Und damit gibt es auch die Möglichkeit, Diskussionsrunden, Panels und Co. diverser zu besetzen und sie so noch interessanter zu gestalten. Um hier erfolgreich zu sein, hilft es ein paar Punkte bei der Ansprache von Referentinnen und diversen Professionals zu beachten:

 

  1. Zweifel nehmen: Frauen neigen eher dazu, ihre fachliche Kompetenz zu unterschätzen. Eine Erhebung der Beratungsgruppe Zenger Folkman aus dem Jahr 2019 zeigt: Frauen in Führungspositionen haben signifikant höhere Werte in Führungskompetenzen wie Ergebnisorientierung, Resilienz oder Selbstentwicklung als ihre männlichen Kollegen. Doch in ihrer Selbstbeurteilung bewerten sie sich wesentlich schlechter, was gerade auch bei den unter 25-Jährigen besonders ausgeprägt ist. Das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten steigt bei den Frauen etwa ab dem 40. Lebensjahr.4 Für Panels und Co. heißt das: Einige Frauen, insbesondere junge, neigen dazu, auf Anfragen zu Speaker-Engagements unsicher zu reagieren, ob sie denn die richtige Ansprechperson dafür sind und lehnen im Zweifelsfall eher ab. Doch wer als Organisator im Vorfeld der Anfrage gründlich recherchiert hat, kann diese Zweifel mit Beispielen nehmen und so Mut zusprechen, doch als Sprecherin teilzunehmen. Mit einer gelungenen Teilnahme kann wiederum das Selbstvertrauen der Frauen steigen, genau die richtige Ansprechperson für weitere Events in ihrem Themengebiet zu sein.  
  2. Sprecherinnen und diverse Speaker nicht wegen einer Quote einladen. Fest steht: Niemand möchte nur aufgrund seines Geschlechts zu einer Diskussionsrunde eingeladen werden, sondern aufgrund seiner fachlichen Expertise. Und auch, wenn das Vorhaben vieler Organisatoren löblich ist, eine paritätische Besetzung auf der Bühne zu haben: Es lässt sich nicht immer realisieren, da es einfach Bereiche gibt, in denen weniger Frauen tätig sind als Männer. Wer bei seiner Anfrage aber den Eindruck vermittelt, potenzielle Sprecherinnen und non-binäre Sprecher nur eingeladen zu haben, um eine Quote zu erfüllen, wird keinen guten Eindruck hinterlassen. Die Wahrscheinlichkeit, so die gewünschten Sprecher für das Panel zu gewinnen, sinkt gegen Null.    
  3. Auch Sprecherinnen und Sprechern unterhalb des C-Levels eine Chance geben: Sicher, es sind es vor allem die Namen von Führungspersönlichkeiten, die Zuschauerinnen und Zuschauer auf Events locken.5 Doch wer ausschließlich auf Sprecher aus der obersten Management-Ebene schaut, wird es schwer haben, ein divers besetztes Panel zusammenzustellen, denn in Deutschland arbeiten immer noch wenige Frauen in Führungspositionen oder sind Gründerinnen. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit waren 2018 etwa 26 Prozent der obersten Führungskräfte in der Privatwirtschaft Frauen. Start-ups wurden nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group seit 2008 nur zu 4 Prozent von Frauen gegründet.6 Wer sein Panel also abwechslungsreich und divers besetzen will, sollte auch Sprecherinnen und Sprechern unterhalb des C-Levels eine Chance geben. Ein Vorteil: Dadurch, dass viele dieser Personen im operativen Bereich tätig sind, können sie detailliertere Einblicke in ihr Arbeitsfeld geben. Diese Möglichkeit sollten sich Event-Veranstalter nicht entgehen lassen.
  4. Netzwerke aktivieren. Ein gutes Panel lebt von unterschiedlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Wer als Veranstalter in seinem Netzwerk nicht fündig wird, sollte sich deshalb nicht scheuen, auf andere Netzwerke zurückzugreifen. Hierzu gehören sowohl die Netzwerle von Kolleginnen und Kollegen als auch Plattformen wie Digital Media Women, WOMEN SPEAKER FOUNDATION, speakerinnen.org, Generation CEO, EDITION F oder Big Speak für die LGBTQ+ Community.7 Auch die Anfrage bei themenspezifischen Events wie der STICKS & STONES, einer LGBT+ Job- und Karrieremesse, kann dabei helfen, passende Speaker zu finden. Darüber hinaus können Organisatoren die Netzwerke der bereits bestätigten Sprecherinnen und non-binären Professionals nutzen. Hier einfach nach weiteren Kontakten, Empfehlungen, Panel-Ideen und Verknüpfungen fragen.        
  5. Das Grundkonzept muss stimmen. Neben dem passenden Thema und einer gut recherchierten Anfrage sollten Veranstalter zeigen, dass Diversität auf dem Panel nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern das Grundkonzept der Veranstaltung. Das bedeutet: Ist vielleicht auch die Moderation weiblich oder divers? Kommt die Anfrage des Veranstalters von einer weiblichen Person? Können andere Frauen und diverse Teilnehmer benannt werden, die bereits zugesagt haben? Wird zum Beispiel nach einer Absage nach weiteren Empfehlungen für Kolleginnen gefragt, die als Sprecherinnen infrage kommen? All das sind Faktoren, die einen positiven Eindruck bei den Angefragten hinterlassen und dazu führen können, gemeinsam ein wirklich diverses Panel zu besetzen.

 

Doch es gibt auch Dinge, die Unternehmen selbst dazu beitragen können, um die Vielfalt auf Panels, Konferenzen oder Bühnen zu erhöhen.

 

  1. Öffentliche Wahrnehmung: So lohnt es sich, intern zu überprüfen, wie und durch welche Personen das Unternehmen üblicherweise nach außen vertreten wird. Gerade bei großen, internationalen Unternehmen werden Anfragen zu Speaker-Engagements oftmals nicht direkt an die gewünschte Sprecherin oder den gewünschten Sprecher gerichtet, sondern beispielsweise an die Pressestelle. Hier kann es hilfreich sein, nochmals für ein diverses Speaker-Portfolio zu sensibilisieren.
  2. Speakerinnen und Speaker vorbereiten: Ebenfalls können Firmen verstärkt darauf achten, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Teilnahme an Vorträgen oder Panels zu ermutigen, die sonst eher im Hintergrund bleiben würden. Hier könnte beispielsweise ein professionelles Medientraining helfen, potenziellen Sprecherinnen und Sprechern die Angst vor der Bühne zu nehmen. Außerdem wäre es denkbar, eine interne Speaker-Förderung in Weiterbildungsangebote zu integrieren, um so auch gezielt und frühestmöglich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Anforderungen vorzubereiten, die Spaß am Präsentieren und Kommunizieren haben.

 

Und es gibt Dinge, die Frauen und non-binäre Sprecher selbst dazu beitragen können,8 um eine höhere Sichtbarkeit zu erlangen:

 

  1. Sich mit anderen Frauen über ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig ins Gespräch bringen bei Anfragen. Jede sollte idealerweise fünf Frauen aus ihrem Netzwerk benennen können, die als Speakerinnen infrage kommen.
  2. Sich ein solides berufliches Netzwerk und eine fachliche Reputation aufbauen, um die Anfragechance zu erhöhen.
  3. Sich aktiv bei Konferenzen um die Teilnahme an Panels und Co. bewerben, etwa bei Call for Papers, und sich auf Plattformen wie Speakerinnen.org eintragen. Hier gerne auch kleinere Events für den Start in den Blick nehmen oder sich für Diskussionsrunden statt Einzelpräsentationen melden.
  4. Die Präsentation eventuell mit einer vertrauten Person aufzuteilen und gemeinsam zu halten, um so langsam Sicherheit zu gewinnen.
  5. Für seinen Redeanteil bei Panels und fachliche Fragen einstehen. Warum sollten immer Frauen die Fragen zu „soften“ Themen beantworten? Den Fragenkatalog am besten vor dem Panel mit der Moderatorin oder dem Moderator durchgehen und Fragen bei Bedarf anpassen lassen.

 

Es zeigt sich also: Bereits ein paar einfache Tipps können helfen, die Zahl der Speakerinnen und diversen Professionals auf Bühnen, Panels und Co. zu erhöhen. Und auch Frauen, die gerne Diskussionsteilnehmerinnen wären, können aktiv etwas dafür tun, ihr Wissen und ihre Expertise mit dem Publikum zu teilen. Und je diverser das Podium besetzt ist, desto diverser wird auch die Zuhörerschaft sein