03.2 Games-Förderung

Die Unverlässlichkeit der Games-Förderung auf Bundesebene der vergangenen Jahre hat sich leider auch zuletzt weiter fortgesetzt. Der bereits seit Mai 2023 geltende Förderantragsstopp galt auch für 2024.

Im Juli 2024 folgten dann noch weitere schlechte Neuigkeiten aus dem Bundeswirtschaftsministerium: Das bis dahin eigenständige Games-Referat wurde abgeschafft und mit dem Referat für die Kultur- und Kreativwirtschaft verschmolzen. Zwar wurden bestehende Projekte wie die Games-Förderung oder der Deutsche Computerspielpreis weitergeführt, dennoch bedeutet die fehlende Eigenständigkeit eine deutliche Einschränkung der Sichtbarkeit und Handlungsfähigkeit. Um diese zu fördern, hatte der Deutsche Bundestag mit dem Bundeshaushalt 2021 die Personalstellen bereitgestellt, um die Einrichtung eines Games-Referats im damaligen Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur zu ermöglichen. Damit wurde die kontinuierliche Bearbeitung aller Games-politischen Themen aus einer Hand möglich. Gleichzeitig wurden Games durch das eigenständige Games-Referat mit anderen Bereichen gleichgestellt, die über ein eigenständiges Referat in der Bundesregierung verfügen, etwa Musik, Literatur, Film, bildende Kunst, Theater, Mikroelektronik, Bioökonomie, KI und viele mehr.

Hoffnung auf eine deutliche Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen für die Games-Unternehmen in Deutschland brachte dagegen die „Wachstumsinitiative – neue wirtschaftliche Dynamik für Deutschland“ der Ampel-Koalition. Das darin genannte Ziel, den Games-Standort zu stärken, zeigt, welche hohe Relevanz die Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP der Games-Branche für die wirtschaftliche und technologische Zukunftsfähigkeit Deutschlands zugeschrieben hat. Noch nie zuvor hatten sich alle drei Koalitionspartner so klar für die zeitnahe Einführung einer steuerlichen Games-Förderung ausgesprochen.

Deutlich kontroverser wurden die Eckpunkte für die neue Förderrichtlinie aufgenommen, die der damalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck zur Politischen Eröffnung der gamescom 2024 vorstellte. So wurden gleich mehrere Kriterien aus Sicht der Games-Unternehmen verschlechtert. Die konkreten Förderhöhen blieben unklar und damit unzuverlässig. Gleichzeitig sollen zukünftig nur noch Prototypen und Projekte mit einer deutlich erhöhten Mindestgröße von 300.000 Euro Volumen gefördert werden. Angesichts der stark von Neugründungen geprägten deutschen Games-Branche werden dadurch zahlreiche Unternehmen von der Games-Förderung ausgeschlossen. Auch die für kleinere und mittelgroße Games-Unternehmen wichtige Möglichkeit, die Bundesförderung mit Landesförderungen zu kumulieren, was beispielsweise Standard in der Filmförderung ist, sollte nicht mehr erlaubt sein. Zu weniger Planbarkeit trägt auch bei, dass Anträge künftig nicht mehr fortlaufend, sondern pro Jahr nur nach bis zu zwei Aufrufen des Ministeriums gestellt werden können.

Die Verschlechterungen der Förderrichtlinie stießen in der Games-Branche auch deshalb auf Unverständnis, weil die Evaluation der bisherigen Richtlinie durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums Ende 2023 viele starke Effekte der Games-Förderung aufgezeigt hatte: So wären 72 Prozent der Spiele-Entwicklungen in Deutschland ohne die Förderung gar nicht realisiert worden, 34 Prozent konnten dadurch deutlich umfangreicher umgesetzt werden. Die große Mehrheit der geförderten Games-Unternehmen konnte deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen als nicht geförderte Unternehmen im selben Zeitraum. Da die Fördermittel bisher nicht ausgereicht hatten, wodurch es seit Start des Förderprogramms 2020 schon zu zwei Förderantragsstopps gekommen war, wurde die deutliche Aufstockung der Mittel empfohlen. Die Evaluation des Wirtschaftsministeriums hatte offenbart, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Standorten pro Einwohner nur ein Viertel des Budgets zur Verfügung stellt.

72 Prozent der Spieleentwicklungen in Deutschland wären ohne die Games-Förderung nicht realisiert worden.

Zum Jahresende 2024 konnte dann der anderthalbjährige Förderantragsstopp endlich aufgehoben werden. Das waren durchaus gute Nachrichten für die Games-Unternehmen in Deutschland und angesichts des Scheiterns der Ampel-Koalition im November kurz zuvor auch ein kleiner Erfolg. Eine richtige Aufbruchsstimmung wollte dennoch nicht aufkommen. Denn die schlechteren Bedingungen der Förderrichtlinie schlossen viele, vor allem kleinere, Entwicklungsstudios aus. Zudem hatte die Koalition aus SPD, den Grünen und FDP keinen Haushalt für 2025 mehr verabschiedet. Die Folge waren deutliche zusätzliche Einschränkungen beim Förderprogramm. So konnten nach Förderaufruf mehrjährige Games-Entwicklungen vorerst nur bei einer Gesamtprojektsumme von bis zu 900.000 Euro unterstützt werden. Größere Projekte sowie Prototypen konnten zunächst nur dann bewilligt werden, wenn sie bis Ende 2025 bereits abgeschlossen wären. Allerdings dauert die Spiele-Entwicklung in der Regel mehrere Jahre. Zusätzlich wird im neuen Förderaufruf die Maximalfördersumme für Projekte auf 2 Millionen Euro verringert. Mit diesen starken Einschränkungen half die Games-Förderung in der Praxis nur wenigen Unternehmen wirklich weiter.

Die weiter anhaltende Unsicherheit bei der Games-Förderung mag auch zu den vergleichsweise schlechten Ergebnissen des game Branchenbarometers beigetragen haben. So gibt es zwar Bereiche, in denen die deutschen Games-Unternehmen positiv auf den Standort Deutschland blicken, etwa auf das gesellschaftliche Klima gegenüber Games oder bei der Ausbildung von Nachwuchskräften. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Games-Standort im internationalen Vergleich bewertet die große Mehrheit der Games-Unternehmen hierzulande insgesamt aber als schlecht, teilweise sogar sehr schlecht. Mit 72 Prozent sagen dabei knapp drei Viertel der Games-Unternehmen, die Wettbewerbsfähigkeit hierzulande sei im internationalen Vergleich eher schlecht. Weitere 15 Prozent bewerten diese sogar als sehr schlecht, was zusammen 87 Prozent ergibt. Gerade einmal 13 Prozent bewerten die Rahmenbedingungen für die Games-Branche hierzulande als eher gut, kein einziges Unternehmen als sehr gut.

Nur wenig besser wurde das Engagement der Politik für den Games-Standort bewertet: Hier beurteilen 7 von 10 Games-Unternehmen (71 Prozent) den politischen Einsatz für die hiesigen Rahmenbedingungen als eher oder sehr schlecht. Ob Spiele-Produktionen mit großen Budgets oder kleinere Indie-Entwicklungen: Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Games-Unternehmen bewerten die Förderung von AAA-Spielen als schlecht, bei Indie-Spielen sind es mit 62 Prozent ähnlich viele. Deutlich positiver fällt dagegen das Urteil der Unternehmen über die Ausbildung von Nachwuchsfachkräften aus: Knapp zwei Drittel der Games-Unternehmen (63 Prozent) bewerten diese als eher gut oder sogar sehr gut. Ähnlich positiv wird das gesellschaftliche Klima gegenüber Games gesehen, dass insgesamt 66 Prozent positiv bewerten. Am positivsten wird die sonstige Infrastruktur für Games-Unternehmen wie Hubs, Netzwerke und Co. gesehen, die 78 Prozent als eher gut oder sehr gut bewerten.

Dass trotz dieser herausfordernden Rahmenbedingungen die Lust am Spieleentwickeln in Deutschland weiterhin vorhanden ist, zeigte das Förderprogramm „Press Start: Gründungsstipendium Games“, das von der damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Claudia Roth Mitte Oktober 2024 gestartet wurde, um das Entstehen neuer Entwicklungsstudios am Games-Standort Deutschland zu unterstützen. Über einen Zeitraum von 18 Monaten erhalten Gründerinnen und Gründer ein Stipendium über 2.750 Euro pro Monat, das ihnen hilft, sich auf die Gründungsphase zu konzentrieren und die Entwicklung eigener Spiele voranzutreiben. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten darüber hinaus ein umfassendes Bildungs- und Vernetzungsprogramm sowie ein begleitendes Coaching, um sie bestmöglich bei ihrem Start in den Games-Bereich zu unterstützen. Das Interesse an diesem Förderprogramm war überwältigend: Die 24-köpfige Fachjury musste insgesamt Einreichungen von über 1.000 Bewerberinnen und Bewerbern durcharbeiten. Insgesamt wurden 132 Stipendiatinnen und Stipendiaten ausgewählt.

Die Fachjury von Press Start musste insgesamt über 1.000 Einreichungen durcharbeiten.

Weitere positive Nachrichten gab es nach der Bundestagswahl und den darauffolgenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD. So greift der Koalitionsvertrag zentrale Forderungen der Games-Branche auf, um Deutschland zu einem starken und international wettbewerbsfähigen Games-Standort in den kommenden Jahren zu entwickeln. Die schwarz-rote Koalition würdigt die großen kulturellen, wirtschaftlichen und technologischen Potenziale der Games-Branche und ihre führende Rolle als Taktgeber und Innovationstreiber. Zentrale Neuerung ist die angekündigte Einführung einer zusätzlichen steuerlichen Förderung für Games in Deutschland. Mit dieser soll der 30-prozentige Kostennachteil gegenüber anderen Games-Standorten weltweit zuverlässig ausgeglichen werden. Enthalten im Koalitionsvertrag ist zudem die Gemeinnützigkeit von E-Sport-Vereinen, die bereits Teil früherer Koalitionsverträge war, aber bislang nicht umgesetzt wurde. Verortet wurden Games in der neuen Bundesregierung erstmals im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Zuständig wurde damit Dorothee Bär, die sich schon in der Vergangenheit für die Games-Branche und das Medium engagiert hatte. Direkt bei ihrem ersten Auftritt als neue „Games-Ministerin“ bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2025 verkündete sie den Aufbau eines eigenständigen Games-Referats in ihrem Haus.

Der Haushaltsentwurf der Bundesregierung enthält eine Erhöhung der Games-Förderung für 2025 auf insgesamt 88 Millionen Euro und ab 2026 auf jährlich 125 Millionen Euro.

Wie eine ergänzende steuerliche Games-Förderung für Deutschland, wie sie im Koalitionsvertrag steht, aussehen sollte, um zu den Top-Standorten der Welt aufzuschließen, hat der game-Verband Anfang 2025 vorgestellt: Die steuerbasierte Games-Förderung müsste danach mittels Steuergutschriften in Höhe von 30 Prozent beziehungsweise 35 Prozent für kleine und mittelständische Unternehmen erfolgen. Damit ließen sich Investitionen, Steuereinnahmen und Wertschöpfung deutlich anschieben. Das unterstreicht eine Analyse des Forschungs- und Beratungsunternehmens Goldmedia im Auftrag des game. Demnach würde jeder Euro Games-Förderung 4,80 Euro zusätzliche Investitionen auslösen, 3,40 Euro zusätzliche Steuereinnahmen und Sozialabgaben einbringen und 8,70 Euro Bruttowertschöpfung in Deutschland generieren. Bei dauerhafter Implementierung einer steuerlichen Förderung sei laut den Expertinnen und Experten sogar von noch höheren Werten auszugehen, da Produktionskapazitäten ausgebaut, Ansiedlungen von Unternehmen aus dem Ausland angekurbelt und aus Deutschland heraus größere Spiele für den globalen Games-Markt entwickelt würden. Die Kombination aus einer steuerlichen Förderung nach gelerntem internationalen Standard und einem begleitenden Förderfonds besonders für junge Unternehmen unterstützt Games-Unternehmen jeglicher Größe und hat sich an den internationalen Top-Standorten der Games-Entwicklung als Erfolgsmodell bewährt.

Ende Juni 2025 gab es Neuigkeiten, die die deutschen Games-Unternehmen zuversichtlicher auf die nahe Zukunft blicken ließen: Die Haushaltsplanungen der Bundesregierung sehen die lange geforderte deutliche Erhöhung des Budgets der Games-Förderung vor. Der Haushaltsentwurf der Bundesregierung plant für 2025 insgesamt 88 Millionen Euro und in den Eckwerten ab 2026 jährlich 125 Millionen Euro ein. Die neuen Mittel decken sich mit den Berechnungen des game für den Mittelbedarf bis zur Umsetzung der im Koalitionsvertrag angekündigten Einführung einer zusätzlichen steuerlichen Games-Förderung, die den weltweiten Standard darstellt.

Welches Bundesland aus Sicht der deutschen Games-Unternehmen eine gute Games-Politik verfolgt, wurde mittels des game Branchenbarometers ermittelt. Danach ist Bayern der beste Games-Standort innerhalb Deutschlands. Damit bleibt der Kampf um die Spitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Beim letzten Ranking 2023 hatte sich Nordrhein-Westfalen, das im aktuellen Ranking auf Platz 2 landet, noch die Spitzenposition gesichert. Auf Platz 3 landet Berlin, noch vor Hamburg, die sich vor zwei Jahren den zweiten Platz geteilt hatten. Bewegung gibt es auch am Ende des Rankings: Hessen, 2023 noch auf Platz 10 von 12, bildet nun das alleinige Schlusslicht. Davor platzieren sich auf Rang 14 Sachsen-Anhalt und auf 15 Mecklenburg-Vorpommern.

Aus einigen Bundesländern gab es zuletzt positive Neuigkeiten: In Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg und Hessen wurde das Förderbudget für Games jeweils leicht erhöht. Bayern, Berlin zusammen mit Brandenburg sowie Nordrhein-Westfalen sind weiterhin die Bundesländer mit den umfangreichsten Förderprogrammen. Berlin und Brandenburg liegen mit 3,6 Millionen Euro zwar unter der Rekordfördersumme von 2023, der Berliner Senat unterstützt aber die Einrichtung des House of Games Berlin mit 4,6 Millionen Euro. Nordrhein-Westfalen hat hingegen angekündigt, mit zusätzlichen 500.000 Euro Games zu fördern, die gezielt Desinformation und Radikalisierung entgegenwirken. In einer ersten Förderrunde im Juli 2025 wurden bereits 277.000 Euro vergeben.

Bei der für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständigen Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) ist 2024 ein leichter Rückgang der Förderzusagen zu verzeichnen. Gleichzeitig ist aber mit dem Akzeleratoren-Programm R42 in Leipzig ein Leuchtturmprojekt gestartet worden, das vom Land Sachsen mit 900.000 Euro unterstützt wird. Ab 2025 kann damit zusätzlich eine Anlauffinanzierung in Höhe von 30.000 Euro für die 12 unterstützten Studios vergeben werden.

In Schleswig-Holstein konnten 2024 erstmals rund 630.000 Euro an Games-Projekte vergeben werden. Die Fördermittel stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die entsprechende Förderung wurde bereits 2023 angekündigt, verzögerte sich aber auf 2024. Auch in Hessen, das beim game Branchenbarometer auf dem letzten Platz landete, gibt es Fortschritte bei der Unterstützung der Games-Branche: Sowohl bei der WIBank als auch bei Hessen Film & Medien wurde mit 410.000 Euro 2024 mehr Förderung für Games ausbezahlt.

Im Saarland konnte trotz positiver politischer Signale und eines eingeplanten Budgets von 300.000 Euro keine Förderung ausgeschüttet werden. Das Wirtschaftsministerium, das erst seit kurzem für das Thema zuständig ist, steht in Austausch mit der Branche und arbeitet an der Fertigstellung der neuen Förderrichtlinie. Erfreuliche Nachrichten gibt es dagegen aus Bremen: Die Freie Hansestadt bekommt ab 2025 erstmals eine Games-Förderung. Das Budget beträgt zunächst 150.000 Euro und wird über nordmedia vergeben.