07 Stiftung Digitale Spielekultur

Games verbinden Menschen, eröffnen neue Perspektiven und schaffen Räume für Begegnung, Bildung und Ausdruck. Die Stiftung Digitale Spielekultur lädt Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft dazu ein, die Möglichkeiten des Mediums dort zu nutzen, wo sie gesellschaftlich gebraucht werden.

Mit Austauschformaten und Modellprojekten zeigt die Stiftung, wie digitale Spiele Impulse für Bildung, Erinnerung, demokratisches Handeln und kulturelle Entwicklung setzen können. Ihr Ziel ist es, die gesellschaftliche Wirkung von Games sichtbar und erfahrbar zu machen – durch Projekte, die Haltung zeigen und Veränderung anstoßen. Gegründet im Jahr 2012 auf Initiative des Deutschen Bundestags und der deutschen Games-Branche, wirkt die Stiftung als Vermittlerin und Impulsgeberin an der Schnittstelle von Games und Gesellschaft. Ihr Gesellschafter ist der game – Verband der deutschen Games-Branche, begleitet wird ihre Arbeit von einem interdisziplinären Beirat, dessen 14 Mitglieder unter anderem Bundesministerien, Jugendschutzorganisationen sowie der Kultur- und Hochschullandschaft angehören.

Die Stiftung geht auf eine gemeinsame Initiative des Deutschen Bundestages und der deutschen Games-Branche zurück.

Mit ihren Bildungsprojekten schafft die Stiftung neue Zugänge zum Lernen und Lehren. Mit den Kursen und Workshops der Initiative Stärker mit Games 2 hat sie im Jahr 2024 über 2.100 Kindern und Jugendlichen kulturelle Bildung mithilfe digitaler Spiele vermittelt. Die Initiative wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und schließt bundesweit Bündnisse mit gemeinnützigen Einrichtungen, um Kinder aus sozioökonomisch schwächeren Familien zu unterstützen. Die vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderten Projekttage Games stärkten die Digital- und Medienkompetenzen von über 780 Schülerinnen und Schülern an 20 Schulen in Berlin und Brandenburg. Ebenfalls vom Medienboard gefördert: Der dritte Durchlauf des Workshop-Programms Start-up: Games-Entrepreneurs begleitete 16 Gründerinnen und Gründer aus Berlin und Brandenburg bei ihren ersten Schritten im Games-Bereich. Das bundesweite, in Kooperation mit Bildung & Begabung durchgeführte GamesTalente-Programm startete Anfang 2025 seinen Wettbewerb anhand eines neuen gamifizierten Online-Portals. Es hat zum Ziel, mithilfe von Spielentwicklung Kompetenzen bei Jugendlichen zu fördern, die für die berufliche Zukunft immer wichtiger werden.

Einen weiteren Fokus bilden die Themen Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Mit der Fachkonferenz Werte ins Spiel bringen feierte im Sommer 2024 das Modellprojekt Games und Wertebildung seinen inhaltlichen Höhepunkt. Gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge widmete sich das Projekt der Frage, wie mithilfe digitaler Spiele integrative Wertebildung gestaltet werden kann. Das zweijährige Projekt Let’s Remember! Erinnerungskultur mit Games vor Ort feierte mit einem Rundgang und einem Kongress-Panel seinen Abschluss auf der gamescom. In Kooperation mit dem Deutschen Kulturrat hat das Projekt bewiesen, dass Games in Museen und Gedenkstätten einen wertvollen Beitrag zum Erinnern an das NS-Unrecht leisten können. Gefördert wurde das Vorhaben von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF).

Die Stiftung Digitale Spielekultur beleuchtet und unterstützt auch die kulturelle Wahrnehmung von Games in der Gesellschaft. Das Awardbüro der Stiftung betreut das Jury-Verfahren für den von Bundesregierung und game – Verband der deutschen Games-Branche ausgerichteten Deutschen Computerspielpreis sowie für den gamescom award, die offizielle Auszeichnung des größten Games-Events der Welt. Seit Herbst 2024 verantwortet die Stiftung außerdem das Bildungs- und Vernetzungsprogramm des Press Start: Gründungsstipendium Games, das vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert wird. Mit der vom Medienboard geförderten Fachkonferenz AI Utopia and Dystopia: How Artificial Intelligence and Games Are Shaping Futures lud die Stiftung Ende 2024 außerdem zum Fachdialog über die Rolle von KI in der Games-Entwicklung und über das Bild, das Games anhand ihrer Geschichten von KI zeichnen.

Interview

Nandita Wegehaupt über das Games-Stipendium

Im Oktober 2024 haben der game –Verband der deutschen Games-Branche und die Stiftung Digitale Spielekultur das „Press Start: Gründungsstipendium Games“ gestartet, das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Welche Ziele mit dem Programm verfolgt werden und wie es aufgenommen wurde, erklärt Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur.

F: Was ist das Ziel von „Press Start: Gründungsstipendium Games“?

Das Gründungsstipendium unterstützt kreative Köpfe aus dem Games-Bereich bei der Etablierung eigener Spiele-Studios, um die Vielfalt der Games-Landschaft in Deutschland zu stärken. Über einen Zeitraum von 18 Monaten erhalten 132 Gründerinnen und Gründer ein Stipendium, das ihnen hilft, sich auf die Gründungsphase zu konzentrieren und die Entwicklung eigener Spiele voranzutreiben. Als Stiftung Digitale Spielekultur begleiten wir das Stipendium mit einem Bildungs- und Vernetzungsprogramm sowie individuellen Coachings, um die Gründerinnen und Gründer bestmöglich bei der nachhaltigen Umsetzung ihrer Vision zu unterstützen.

F: Auf welche Resonanz ist das Stipendium gestoßen?

Die Resonanz war riesig und hat unsere Erwartungen übertroffen. Insgesamt haben sich weit über 1.000 Menschen allein oder in Teams mit bis zu drei Personen beworben. Unsere 24-köpfige Fachjury unter Vorsitz von Linda Kruse (Gründerin von the Good Evil) hatte jede Menge zu tun! Trotz der vielen Arbeit sind alle Beteiligten begeistert von der kreativen Kraft, die die Games-Entwicklerinnen und
-Entwickler antreibt. Auch abseits der beteiligten Partner hat uns viel positives Feedback erreicht. Egal ob Stimmen aus der Games-Branche, von Universitäten und Hochschulen oder aus Politik und Förderlandschaft: Dass es jetzt eine bundesweite Startrampe für frische Games-Ideen in Deutschland gibt, findet großen Zuspruch.

F: Wie kommen die regelmäßigen Workshops und Coachings an?

Die Teilnehmenden sind sich der Chance, die sie durch „Press Start“ erhalten, sehr bewusst. Entsprechend motiviert treten sie in nahezu allen Workshops auf, selbst wenn es um Themen wie die rechtlichen Belange geht. Der Anspruch unseres Programms ist es, die Teilnehmenden auf alle wichtigen Facetten der Gründung im Games-Bereich vorzubereiten, von Finanzierungsfragen über Projektmanagement und Unternehmensführung bis hin zu Marketing und Community-Management. Neben den Workshops sind außerdem die persönlichen Beratungsgespräche mit unseren Coaches sehr gefragt. Insbesondere der Austausch individueller Gründungserfahrungen wird als sehr bereichernd wahrgenommen. Andersherum spiegeln uns auch die Coaches, dass sie ihre Mentees als sehr fähig und motiviert erleben. Darüber hinaus greifen sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten auch gegenseitig unter die Arme und tauschen beispielsweise Best Practices aus.

F: Wie geht es mit dem Programm weiter?

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten werden bis zum Ende des 18-monatigen Programms begleitet. Ein großes Halbzeit-Event wird es im Rahmen der gamescom im August 2025 in Köln geben. Den offiziellen Abschluss wollen wir 2026 festlich mit allen Beteiligten in Berlin feiern. Dazwischen bieten wir den Teilnehmenden immer wieder die Möglichkeit, unterstützt beispielsweise durch Rabatte an weiteren regionalen Events wie der GG Bavaria in München oder dem A MAZE. in Berlin teilzunehmen, um ein möglichst enges Netzwerk für die Zukunft in der Games-Branche zu knüpfen.

F: Was ist dein persönliches Highlight?

Am meisten freue ich mich darüber, dass wir so viele unterschiedliche und vielversprechende Biografien mit dem Gründungsstipendium unterstützen können. Ich bin sehr gespannt, wie sich der daraus entstehende kreative Impuls auf die Games-Landschaft in Deutschland auswirken wird.

Nandita Wegehaupt

Geschäftsführerin der
Stiftung Digitale Spielekultur