08 esports player foundation E-Sport ist zu einem Massenphänomen geworden, das auch in Deutschland Millionen Menschen begeistert. Die Zahl der hobbymäßigen E-Sportlerinnen und E-Sportler nimmt hierzulande seit Jahren zu. Sie organisieren sich dabei deutschlandweit etwa in Vereinen oder Hochschulgruppen. Darüber hinaus wächst auch die Zahl der professionellen E-Sportlerinnen und -Sportler, die Games kompetitiv auf Top-Niveau und hauptberuflich spielen. Die esports player foundation begleitet ambitionierte E-Sportlerinnen und E-Sportler auf dem Weg an die Spitze. Was braucht es, um ein Talent in eine starke Persönlichkeit zu formen, die auf dem höchsten Niveau erfolgreich ist? Im E-Sport spielen neben einer schnellen Reaktionsfähigkeit, strategischem Denken und Präzision auch Themen wie Wertebildung, Struktur und die Zukunftsperspektiven für die Weiterentwicklung der Spielerinnen und Spieler eine wichtige Rolle. Um wahre Exzellenz über das spielerische Können hinaus zu entfalten, braucht es daher eine gezielte Förderung. Genau hier setzt die esports player foundation (epf) an. Seit 2020 begleitet die epf als weltweit erste Talentförderung ihrer Art ambitionierte E-Sportlerinnen und E-Sportler auf dem Weg an die Spitze. Im dynamischen E-Sport-Umfeld bietet die epf ein stabiles Fundament und ist Partner für Leistung, Bildung, mentale Stärke sowie Karriere- und Zukunftsperspektiven. Die ganzheitliche Talentförderung durch die epf umfasst neben In-Game-Coaching auch die sportpsychologische Begleitung, Fitness- und Ernährungsberatung, Hardware-Support sowie Unterstützung bei der Karriereplanung. Dabei werden mehr als 150 E-Sport-Talente in League of Legends, Valorant, Counter-Strike 2, EA FC und Brawl Stars individuell betreut. Im Fokus der Arbeit der epf steht die nachhaltige Talententwicklung. Dabei kooperiert die epf erfolgreich mit Partnern aus der Games-Branche und anderen Bereichen. Seit 2023 erhalten junge Talente etwa im Rahmen der Kooperation mit XPERION, Deutschlands größter Gaming-Location, erste Praxiserfahrungen im Team. Die daraus entstandenen „NXT“-Teams sind heute fester Bestandteil der epf-Förderstruktur – etwa das „DKB XPERION NXT“-League-of-Legends-Team, das sich 2024 in der 2. Division der Techniker Prime League etablierte und so zeigte, dass die Nachwuchstalente der epf mit etablierten Spielerinnen und Spielern mithalten können. So entstehen strukturierte Wege von der Breite in die Spitze. Mit der Deutschen Kreditbank (DKB) wurde 2024 zudem erstmals ein Nachwuchsspieleraward verliehen – an das 13-jährige EA-FC-Talent Robert Brysik. Eine Auszeichnung, die junge Talente motivieren soll, an sich zu glauben und ihre E-Sport-Karriere mit Leidenschaft zu verfolgen. Auch bei Themen wie Vielfalt leistet die epf einen wichtigen Beitrag für den E-Sport und die gesamte Games-Community. So wuchs die 2021 mit der Deutschen Telekom und SK Gaming gestartete Initiative Equal Esports 2024 weiter: mit neuen Talenten, Mentorinnen, dem Equal Esports Cup – einem League-of-Legends-Turnier für Frauen und nichtbinäre Personen – und einem Highlight-Finale auf der gamescom. Ziel ist es, Diversität in der Games-Community und eine noch offenere E-Sport-Kultur zu fördern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf mentaler Gesundheit. In enger Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse ist die sportpsychologische Betreuung integraler Bestandteil der Förderung. Die Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierungskampagnen der epf in Zusammenarbeit mit diesem sowie weiteren Partnern wie der Deutschen Telekom betonen die Bedeutung von Resilienz, Prävention und einem bewussten Umgang mit mentalen Herausforderungen – für eine langfristig gesunde Karriere im E-Sport und darüber hinaus. Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der beruflichen Perspektive. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn hat die epf 2024 ein Modell für duale Karrieren im E-Sport entwickelt: Junge Spielerinnen und Spieler können eine Ausbildung oder ein duales Studium absolvieren und gleichzeitig eine E-Sport-Karriere verfolgen. Parallel erhalten sie im Rahmen des Modells gezieltes Coaching, Bootcamps und die Chance, ihr volles Potenzial auszuschöpfen – beruflich wie spielerisch. Die epf wird von starken Partnern getragen – darunter Deutsche Telekom, Techniker Krankenkasse, DKB und Deutsche Bahn – sowie dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Land Berlin. Sie alle teilen die Vision eines professionellen, verantwortungsvollen und nachhaltigen E-Sport-Standorts Deutschland. Gemeinsam geben sie Talenten eine Bühne und ein stabiles Sprungbrett in ihre Zukunft. Interview Julius Althoff über das Esports Team Berlin und die Olympischen E-Sport-Spiele Im Oktober 2024 haben der game –Verband der deutschen Games-Branche und die Stiftung Digitale Spielekultur das „Press Start: Gründungsstipendium Games“ gestartet, das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Welche Ziele mit dem Programm verfolgt werden und wie es aufgenommen wurde, erklärt Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur. F: Warum habt ihr gemeinsam mit dem Land Berlin das Esports Team Berlin ins Leben gerufen? Wer im traditionellen Sport als Talent auffällt, durchläuft früh professionelle Förderstrukturen. Diese begleiten junge Menschen nicht nur sportlich, sondern auch pädagogisch, sozial und schulisch. Im E-Sport fehlen solche klaren Wege bislang. Mit dem Esports Team Berlin schließen wir diese Lücke: Wir schaffen ein strukturiertes, werteorientiertes Förderprogramm auf Landesebene, das junge Talente spielerisch und persönlich begleitet. Das Programm richtet sich gezielt an sehr junge Spielerinnen und Spieler und bietet ihnen erstmals Zugang zu einem international einzigartigen Förderumfeld – unter anderem mit Weltklasse-Coaches, Sportpsychologinnen und -psychologen, Ernährungsberatung sowie Mentorinnen und Mentoren. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche aus Berlin zu internationalen E-Sport-Stars zu entwickeln – als Vorbilder, die die Werte und Farben Berlins auf die große Bühne tragen. Mit diesem Projekt setzt Berlin ein starkes Zeichen: Das Land respektiert nicht nur die Begeisterung junger Menschen für E-Sports, sondern gestaltet mit ihnen gemeinsam ihre Zukunft. Berlin übernimmt Verantwortung, wo andere Bundesländer noch zögern. F: Wie wurde die Ankündigung der ersten Olympischen E-Sports-Spiele von der E-Sport-Community in Deutschland aufgenommen? Die Ankündigung der Olympischen E-Sports-Spiele wurde in der deutschen Community zwiegespalten aufgenommen. Doch unabhängig von der berechtigten Kritik sehe ich in diesem Schritt vor allem eine riesige Chance für E-Sports. Zum ersten Mal erhält E-Sport eine Bühne im Kontext der olympischen Bewegung – das ist ein Ereignis mit enormem Potenzial. Besonders spannend ist dabei die Rolle der Nationalmannschaften, die im E-Sport bislang kaum eine Bedeutung hatten, nun aber zu einem echten Identifikationsfaktor werden könnten. Natürlich muss die berechtigte Kritik ernst genommen werden. Das betrifft sowohl die Auswahl der Spiele als auch die Entscheidung, die Veranstaltung in Saudi-Arabien auszurichten. Gerade Letzteres erfordert einen klaren, kritischen Diskurs – aber auch die Bereitschaft, diesen Dialog aktiv mitzugestalten. F: Was kann man von diesem Turnier erwarten? Wird es eine ähnliche Bedeutung wie die Olympischen Spiele im klassischen Sport erreichen und welche Spiele werden berücksichtigt? Die Olympischen Spiele sind das größte Sportereignis der Welt. Ähnliches Potenzial haben auch die Olympischen E-Sports-Spiele: ein globales E-Sport-Fest, das Spielerinnen und Spieler aus aller Welt verbindet und ihnen die Bühne und Anerkennung bietet, die sie verdienen. Denn auch der E-Sport erfordert Höchstleistungen – mit denselben Anforderungen an Disziplin, Präzision, mentale Stärke, körperliche Fitness, gesunde Ernährung und Regeneration wie im Sport. Ich erhoffe mir, dass die Olympischen E-Sports-Spiele langfristig dieselbe Strahlkraft und Bedeutung entwickeln wie die Olympischen Spiele im traditionellen Sport. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg – und dieser hängt wesentlich davon ab, wie offen sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) gegenüber den Interessen und der Kultur des E-Sport und der Games-Branche zeigt. F: Welche Rolle spielen Diversität und Inklusion bei den Olympischen E-Sports-Spielen? Die Olympische Charta schreibt eine ausgewogene Geschlechterverteilung vor – bei den Sommerspielen 2024 wurde erstmals vollständige Parität erreicht. Dieses Ziel sollte auch für die Olympischen E-Sports-Spiele gelten. Gerade im E-Sport liegt enormes Potenzial für Geschlechtergerechtigkeit: Körperliche Voraussetzungen spielen kaum eine Rolle. Dennoch bestehen aktuell noch Leistungsunterschiede an der Spitze, die jedoch überwiegend strukturell bedingt sind. Unter anderem im Rahmen unserer Initiative Equal Esports arbeiten wir daran, diese Barrieren abzubauen. Viele Menschen in der E-Sport-Community identifizieren sich zudem jenseits der binären Geschlechterordnung. Eine inklusive Ausgestaltung der Olympischen E-Sports-Spiele muss diese Vielfalt anerkennen, sichtbar machen und aktiv fördern. Julius AlthoffGeschäftsführer der esports player foundation