03.2 Wettbewerbsbedingungen für die Games-Branche in Deutschland

Die Rahmenbedingungen für die Games-Branche in Deutschland haben sich seit dem Start der neuen Bundesregierung deutlich verbessert. Games sind jetzt im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bei Bundesministerin Dorothee Bär angesiedelt.

Bereits kurz nach Amtsübernahme gab es bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2025 die ersten guten Nachrichten: So wird im Forschungsministerium wieder ein eigenständiges Games-Referat aufgebaut. Dieses war in der vergangenen Legislaturperiode im Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck noch aufgelöst worden. Weitere gute Neuigkeiten folgten: Im August 2025 wurden mehrere Bremsen bei der Games-Förderung gelöst. Dazu gehörte auch die Möglichkeit, wieder Förderanträge für Games zu stellen, deren Fertigstellung über ein Jahr dauert. Seit Ende 2024 galt zwar kein Förderantragsstopp mehr. Das Förderprogramm startete allerdings nur mit starken Einschränkungen wieder. Für viele Games-Projekte war es so nicht nutzbar.

Große Neuigkeiten gab es bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs der Bundesregierung Ende Juni: Die Mittel für die Games-Förderung auf Bundesebene wurden deutlich aufgestockt – für 2025 auf insgesamt 88 Millionen Euro und ab 2026 auf jährlich 125 Millionen Euro. Die zusätzlichen Mittel waren angesichts mehrfacher Förderantragsstopps ein besonders wichtiger Schritt zu verlässlicheren Rahmenbedingungen für die Games-Unternehmen in Deutschland und verschaffen die notwendige Luft, um parallel die im Koalitionsvertrag geplante ergänzende steuerliche Games-Förderung umzusetzen.

Mit der Erhöhung der Mittel setzte die neue Bundesregierung nur wenige Wochen nach Amtsübernahme die ersten Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag um. Ein weiterer Schritt folgte: die Gemeinnützigkeit für Vereine mit E-Sport-Angebot. Bereits zwei Vorgängerregierungen im Bund hatten diese immer wieder in Aussicht gestellt, aber nie umgesetzt. Im September fiel dann die Entscheidung: E-Sport-Vereine können seit dem 1. Januar 2026 als gemeinnützig behandelt werden. Wichtig dabei: Neben der Würdigung des E-Sports wahrt die Regelung zugleich die Autonomie sowohl des E-Sports als auch des klassischen Sports.

Für Zuversicht sorgte auch das Games-Stipendium „Press Start“: Alle Geförderten des Gründungsstipendiums haben zum Jahreswechsel erfolgreich ihre Studios aufgebaut. Die 132 Stipendiatinnen und Stipendiaten gründeten insgesamt 75 Studios. Die Spannweite ihrer Spiele reicht von farbenfrohen Cozy Games über Aufbauspiele bis hin zu einer App, mit der eigene digitale Schnitzeljagden erstellt werden können. Das „Press Start: Gründungsstipendium Games“ wurde von der Stiftung Digitale Spielekultur in Zusammenarbeit mit dem game – Verband der deutschen Games-Branche organisiert und umgesetzt. Die Stiftung verantwortete das Bildungs- und Vernetzungsprogramm des Stipendiums. Gefördert wurde das Stipendium vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Mittel für die Games-Förderung auf Bundesebene wurden deutlich aufgestockt: ab 2026 auf jährlich 125 Millionen Euro.

Das erfolgreiche Games-Stipendium ist ein Beispiel für die hohe Dynamik der Games-Branche in Deutschland. Wie groß sie ist, zeigte auch die Studie „Die Games-Branche in Deutschland 2025“. Danach hat sich die Games-Branche zwischen 2018 und 2024, trotz einiger Herausforderungen, auch dank der erstmaligen Förderung auf Bundesebene sehr positiv entwickelt. Die Anzahl der Games-Unternehmen in Deutschland ist im Kernmarkt in diesem Zeitraum besonders stark gewachsen – um 81 Prozent. Auch der Unternehmensumsatz ist zwischen 2018 und 2024 um 22 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zugenommen. Die Gesamtzahl der Mitarbeitenden ist in diesem Zeitraum um 20 Prozent gewachsen. Der Frauenanteil in der deutschen Games-Branche ist von 25 auf 30 Prozent gestiegen.

Der Frauenanteil in der deutschen Games-Branche ist von 25 auf 30 Prozent gestiegen.

Trotz der starken wirtschaftlichen Entwicklungen ist der Anteil deutscher Produktionen auf dem Heimatmarkt weiterhin klein: Von 100 Euro, die in Deutschland für Games ausgegeben werden, bleiben lediglich 5,50 Euro bei deutschen Games-Unternehmen. Das liegt unter anderem an den über viele Jahre international wenig konkurrenzfähigen Wettbewerbsbedingungen in Deutschland. Erst durch die Einführung der Bundesförderung – so die Studie – hat Deutschland aufgeholt, auch wenn es im internationalen Wettbewerb weiterhin hinter den führenden Standorten bleibt.

Die bundesweite Games-Förderung rechnet sich auch für die öffentliche Hand: Ein Euro Games-Förderung löste im Jahr 2023 rund 6,50 Euro Bruttowertschöpfung und 2,50 Euro an Steuern und Sozialabgaben aus. Die im aktuellen Koalitionsvertrag angekündigte und international übliche zusätzliche steuerliche Games-Förderung könnte die Wettbewerbsfähigkeit des Games-Standorts Deutschland deutlich verbessern: 87 Prozent der Games-Unternehmen erwarten dadurch zusätzliche Entwicklungsimpulse, 67 Prozent rechnen mit einem Umsatzwachstum und 63 Prozent mit einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit und gesicherten Beschäftigung. Die Studie „Die Games-Branche in Deutschland 2025“ wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mitfinanziert. Sie ist ein Projekt des game und wurde von Goldmedia erstellt.

Auch in manchen Bundesländern gab es positive Nachrichten: Hierzu gehört unter anderem die ab März 2026 geltende neue Förderrichtlinie im Saarland, die den Unternehmen vor Ort einen klaren Rahmen vorgibt und eine gute Grundlage für die künftige Entwicklung des Games-Standortes bietet. Auch Nordrhein-Westfalen hat sich eine neue Förderrichtlinie gegeben: Seit September 2025 orientiert sich das neue Regelwerk viel stärker an internationalen Standards. Statt rückzahlbarer Darlehen setzt das bevölkerungsreichste Bundesland auf Zuschüsse. Das ist deutlich praxisnäher und passt besser zur Unternehmensrealität. Auch aus Bayern gab es Neuigkeiten: Die Ankündigung, die Mittel für die Games-Förderung vor Ort zu verdoppeln, ist ein starkes Signal und unterstreicht, welch hoher Stellenwert Games im größten deutschen Bundesland beigemessen wird. Die Regionalvertretung Rheinland-Pfalz hat ihre Forderungen an die Politik überarbeitet: Hierzu gehören, die Strukturen der Games-Branche vor Ort zu stärken – etwa durch eine fachspezifische Gründungsförderung und eine Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer –, die Fördermittel auf ein konkurrenzfähiges Niveau zu heben und GameUp! Rheinland-Pfalz auszubauen. Als Reaktion wurden 2025 75 Prozent mehr Fördermittel für Games ausgegeben als im Vorjahr. In Baden-Württemberg wurden zahlreiche Forderungen der game Regionalvertretung Baden-Württemberg umgesetzt, etwa die Erhöhung der Games-Förderung.