Als game Baden-Württemberg sind wir die regionale Vertretung der Games-Branche in Baden-Württemberg.

 

Das Bundesland möchte zur „Leitregion des digitalen Wandels“ werden. Die regionale Games-Branche unterstützt diesen Weg mit ihren innovativen digitalen Inhalten und technologischen Entwicklungen „made in Baden-Württemberg“. Games sind das fortschrittlichste Medium unserer Zeit und seit ihrer Entstehung digital. Sie sind gleichermaßen Kulturgut, Wirtschaftsfaktor sowie Innovationsmotor und müssen dringend Teil der Digitalisierungsstrategie des Landes sein. Die Technologien und Mechanismen aus der Games-Entwicklung finden weit über den Kultur- und Unterhaltungssektor hinaus Anwendung, von der Automobilindustrie bis zur Medizin.

 

Baden-Württemberg zählt zu den wirtschafts- und industriestärksten Standorten Deutschlands, gilt europaweit als hochinnovativ und ist Heimat einer starken Digital-, Kreativ- und Medienwirtschaft. Renommierte Hochschulen, Universitäten und Institute in technischen und gestalterischen Themenfeldern sowie eine etablierte öffentliche Förderung bieten beste Ausgangsbedingungen für das vielfältige Ökosystem der regionalen Games-Branche.

 

Diese großen Potenziale kann die Games-Branche in Baden-Württemberg bislang nicht vollständig entfalten. Der Hidden Champion der digitalen Unterhaltungsindustrie muss im Vergleich zu anderen Bundesländern mit einer geringeren Games-Förderung auskommen und dabei den Herausforderungen des Fachkräftemangels und der Abwanderung von Kreativen entgegenwirken.

 

Gemeinsam mit den regionalen Akteuren setzen wir uns deshalb für die umfassende Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Games-Standort ein. Unsere vier wichtigsten Forderungen sind:

Ausbau der Games-Förderung (klick)

Games werden in Baden-Württemberg nicht mit einem eigenen Förderprogramm, sondern neben Apps, Online-Plattformen und interaktiven Filmen innerhalb des „Digital Content Funding“-Programms der MFG Baden-Württemberg mit einem jährlichen Budget von 600.000 Euro gefördert. Unter den bisher geförderten Projekten sind sehr erfolgreiche und prämierte Spiele. Zusätzlich werden Augmented- und Virtual-Reality-Projekte mit einem Gesamtbudget von rund 180.000 Euro gefördert. Dennoch fällt die Förderung im Vergleich zu anderen Standorten wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen und Bayern in der Höhe deutlich zurück. Wir fordern daher eine dedizierte Games-Förderung mit einer höheren Gesamtfördersumme als auch eine Anhebung der Förderhöchstbeträge je Vorhaben, die spezifisch für Spiele-Entwicklungen zur Verfügung gestellt werden. Für die nachhaltige Unterstützung insbesondere kleiner und mittlerer Entwickler-Studios ist es notwendig, dass die Förderung generell per Zuschuss erfolgt und mit einer Förderquote von bis zu 80 Prozent ermöglicht wird. Die Prozesse der Förderung sollten analog überarbeitet werden, insbesondere bezüglich der möglichen Antragsfristen pro Jahr (mehr als zwei), einer schnelleren Entscheidungs- und Bearbeitungszeit sowie einem vereinfachten Abruf der Mittel. Künstlerisch ausgerichtete Projekte sollten als Bestandteil des Förder-Portfolios nicht nur einen Ausnahmeplatz einnehmen. Weitere förderfähige Maßnahmen sollten die Förderung von Investitionsgütern, Beratungsdienstleistungen (Recht, Steuern, Monetarisierung), Qualifizierungsmaßnahmen sowie Messe- und Konferenzteilnahmen (Reisekosten, Gebühren) beinhalten, um die Professionalisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Entwicklerlandschaft nachhaltig zu unterstützen. Es gilt eine EU-Notifizierung nicht zuletzt für die Zukunfts- und Anschlussfähigkeit zur Games-Förderung auf Bundesebene anzustreben.

Die staatlichen Förderprogramme des Landes und der Banken (zum Beispiel der L-Bank) sind nicht spezifisch für Gründer oder Unternehmen der Games-Branche und müssen angepasst werden – insbesondere im Bereich der Eigenkapitalstärkung. Als weiteres Vorbild könnte das „Digital Creativity“-Programm der Investitionsbank Sachsen-Anhalt dienen.

Stärkung der Vernetzung (klick)

Das Ökosystem der baden-württembergischen Games-Branche ist vielfältig und international aufgestellt. Die Vernetzung aller Akteure ist eine besonders wichtige Aufgabe. Unter dem Label „Games BW“ bietet die MFG Baden-Württemberg Veranstaltungen und Förderprogramme für die Games-Branche an, neben dem Gemeinschaftsstand baden-württembergischer Games-Unternehmen auf der gamescom auch die Veranstaltungsreihe „Open Stage Games BW“. Diese Möglichkeiten zum Austausch mit der eigenen Branche, anderen Kreativ- und Digitalbranchen und zur regionalen sowie internationalen Vernetzung müssen weitergeführt, finanziell nachhaltig gesichert und ausgebaut werden. Die Unterstützung von Branchen-Events wie der Veranstaltungsreihe „Talk & Play Karlsruhe“ würde die Indie-Szene stärken. Um der Games-Branche eine besondere Sichtbarkeit zu verleihen, ist eine jährliche Leuchtturm-Veranstaltung mit deutschlandweiter Strahlkraft notwendig.

Wir fordern daher eine Mittelerhöhung für „Games BW“, damit Veranstaltungen und Plattformen zur Vernetzung und Internationalisierung nachhaltig gestärkt werden können.

Dedizierte Hubs für die Games-Branche (klick)

Kreativität braucht nicht nur sprichwörtlich Räume. Die Games-Branche in Baden-Württemberg braucht konkrete Orte, an denen sie gemeinsam arbeiten und sich austauschen kann. Sogenannte Hubs bieten nicht nur für Absolventen und Gründer eine erste unternehmerische Heimat und verhindern so deren Abwanderung in andere (Bundes-)Länder, sondern sind auch aufgrund der vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten für die etablierte Branche sehr attraktiv. Momentan füllt diese Lücke eine private Initiative wie der Co-Working-Space „Kokolores“. Durch zentrale Orte wird eine Bündelung von Unternehmen und Dienstleistern erreicht, ein Raum für Veranstaltungen geschaffen und somit Aufmerksamkeit für die Games-Branche generiert. Vorbilder aus anderen (Bundes-)Ländern wie zum Beispiel das Cologne Game Haus belegen sehr eindrucksvoll, dass die Möglichkeiten von Co-Working-Spaces durch gezielte öffentliche Förderung noch weiter potenziert werden können. Der Austausch mit anderen Branchen, die von den Technologien und Innovationen der Spieleentwicklung (Künstliche Intelligenz, Mixed Reality, Echtzeitsimulationen) profitieren wollen, kann so ebenfalls erleichtert werden. Über die wirtschaftlichen Effekte hinaus bietet ein Hub auch Möglichkeiten der spielerisch digitalen Bildung für Jugendliche und Erwachsene. Um interaktive Ausstellungen und technologische Exponate ergänzt wird ein Hub auch zu einem Besuchsmagneten für Touristen.

Hierfür braucht es das Engagement und die Unterstützung des Landes, der Städte und Kommunen für Game-Hubs im Großraum Ludwigsburg/Stuttgart sowie in Karlsruhe, da nur Landesimmobilien günstige und sichere Gewerbemieten sowie eine zentrale und attraktive Lage nachhaltig sicherstellen können. Zusätzlich wird die Finanzierung von Personalstellen für die Verwaltung der Hubs benötigt.

Förderung für Gründer (klick)

Baden-Württemberg möchte zu einem noch attraktiveren „Start-up-Land“ werden. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau hat dafür die Landeskampagne und Gründer-Plattform „Start-up BW“ ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stärke des Landes zu erhalten und den Ruf als Gründerland national und international zu stärken. Besondere Aufmerksamkeit sollte auch der Unterstützung von Gründern in der Games-Branche gelten. Viele Gründer-Stipendien richten sich nur an Absolventen staatlicher Hochschulen und Universitäten oder sind direkt an diese gebunden (beispielsweise „EXIST“). Zahlreiche Gründungsinteressierte sind jedoch Absolventen der vielen privaten Hochschulen und Ausbildungsstätten sowie langjährige, erfahrene Mitarbeiter von etablierten Games-Unternehmen oder Quereinsteiger aus anderen Branchen. Für diese wichtigen und qualifizierten Fachkräfte existiert keine Unterstützung. Auch sie müssen durch spezifische Workshops und eine passgenaue Gründer-Beratung gefördert werden. Baden-Württemberg könnte ein wahrer Magnet für Start-ups in der Games-Branche werden, wenn es unabhängige Gründer-Stipendien und -Programme bei den Landesbanken für diese Zielgruppen anbieten würde.

Ansprechpartner

Adrian Goersch
(Black Forest Games)
Patrick Wachowiak
(Chasing Carrots)

Games-Unternehmen in Baden-Württemberg