Warum die Games-Förderung so wichtig ist

International vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für Games-Unternehmen auch in Deutschland!

Kein anderes Medium entwickelt sich dermaßen dynamisch: Games haben längst die ganze Welt erobert. Über 3 Milliarden Menschen weltweit spielen Computer- und Videospiele. Der internationale Games-Markt ist zum Powerhouse der gesamten Medienindustrie geworden: Bis 2027 soll das globale Wachstum im Schnitt 7,9 Prozent auf dann 312 Milliarden US-Dollar betragen. Längst haben sich Games zum Herzen der Popkultur entwickelt: Es gibt das Buch zum Spiel, den Film zum Spiel und auch die Kleidung zum Spiel. Hinzu kommt: Schon heute finden sich Games und ihre Technologien in allen Lebensbereichen wieder. Ob Serious Games in der Bildung oder der Medizin oder Zukunftstrends wie Künstliche Intelligenz oder das Metaverse: Games, ihre Design-Ansätze und Technologien werden für die Digitalwirtschaft und den Wirtschaftsstandort insgesamt immer wichtiger.

Das Ziel: Ein starkes Games-Ökosystem

Um vom riesigen Potenzial der Games-Branche profitieren zu können, braucht es ein international konkurrenzfähiges und starkes Games-Ökosystem aus großen und kleinen Spiele-Studios, aus Dienstleistern und Hochschulen. Dafür braucht es die richtigen Rahmenbedingungen, damit ein solches System entsteht. International erfolgreiche Standorte machen es vor: Kanada, Großbritannien und Frankreich haben beispielsweise schon vor Jahren das Potenzial der Games-Branche erkannt und die Branche zielgerichtet gefördert. Das Ergebnis: Kanada hat nur knapp halb so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie Deutschland, aber mit rund 32.300 arbeiten beinahe drei Mal so viele Menschen in der kanadischen Games-Branche.

Auch die Studie „Die deutsche Games-Förderung im internationalen Vergleich“ zeigt, dass die Rahmenbedingungen für die Spiele-Entwicklung in Deutschland international nicht konkurrenzfähig sind.

Start der Games-Förderung hat zu einer unglaublichen Dynamik geführt

Der Games-Standort Deutschland ist auf einem guten Weg zu den internationalen Top-Standorten aufzuholen: Der Start der bundesweiten Games-Förderung 2020 hat nicht nur zu einer einmaligen Aufbruchsstimmung geführt, sondern auch eine überraschend starke Dynamik ausgelöst. So ist in den vergangenen drei Jahren die Anzahl der Mitarbeitenden bei Spiele-Studios und Publishern in Deutschland um 19 Prozent gewachsen, die der Unternehmen sogar um 46 Prozent.

Was läuft schief?

Die bundesweite Games-Förderung war so erfolgreich, dass die 50 Millionen Euro jährlich schnell nicht mehr ausgereicht haben. So kam es bereits im Oktober 2022 zu einem Antragsstopp für 2022 und 2023, der aber nach kurzer Zeit abgewendet werden konnte. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages erhöhte das Förderbudget um 20 Millionen Euro. Doch aufgrund der erhofften positiven Entwicklung wie der weiter wachsenden Anzahl und Größe der Spiele-Projekte reichten die zusätzlichen Mittel jedoch nur bis Mai 2023.

Existenzielle Herausforderung für Unternehmen

Seit Mai gilt nun erneut ein Förderantragsstopp – und zwar nicht nur für den Rest dieses Jahres, sondern auch für 2024. Damit gäbe es für Games-Unternehmen in Deutschland für mehr als anderthalb Jahre keine international konkurrenzfähigen Rahmenbedingungen mehr. Zurückgeworfen auf die Situation vor Einführung der Förderung und damit mit Kostennachteilen in der Games-Entwicklung von über 30 Prozent im internationalen Vergleich werden weitere Investitionen hierzulande und die so positive Dynamik wieder abgewürgt. Denn neue Spiele-Projekte können nicht wie geplant starten, verzögern sich oder internationale Partner springen ab. Das stellt vor allem viele kleine und auch mittelständige Unternehmen vor teils existenzielle Herausforderungen. Gleichzeitig siedeln sich internationale Schwergewichte nicht hier an, sondern machen wegen fehlender Verlässlichkeit weiter einen Bogen um Deutschland. Insgesamt werden durch die aktuellen Entwicklungen die selbstgesteckten Ziele der Bundesregierung, Deutschland zu einem Leitmarkt entwickeln zu wollen, unerreichbar.

Was muss jetzt geschehen?

Damit die gerade erst begonnene Aufholjagd weitergehen kann, braucht es vor allem verlässliche und international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen. Kostennachteile von 30 Prozent können die Games-Unternehmen aus eigener Kraft nicht ausgleichen. Darum müssen die Mittel der Games-Förderung kurzfristig auf 125 Millionen Euro aufgestockt werden. Damit könnte der aktuelle Antragsstopp zumindest ab 2024 aufgehoben werden. Die zusätzlichen Mittel sind zudem auch aus Sicht des Finanzministers sinnvoll investiert: So zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern wie Frankreich, das jedem Euro aus der Games-Förderung 1,80 Euro zusätzliche Steuereinnahmen und 8 Euro an zusätzlichen Investitionen folgen. Eine schnelle Erhöhung der Games-Förderung wäre also sowohl eine großartige Investition in den Digitalstandort Deutschland – insbesondere angesichts der aktuell eher negativen konjunkturellen Aussichten – als auch mittelfristig eine Entlastung für die öffentlichen Haushalte.

Mittelfristig muss aber die gesamte Games-Förderung überarbeitet werden. International erfolgreiche Standorte machen es vor: Zusätzlich zu einem Games-Fonds für eher kleinere Projekte braucht es eine steuerliche Games-Förderung. Deren Vorteile: Die Fördermittel müssten nicht in öffentlichen Haushalten vorgehalten werden, sondern werden bei entsprechenden Investitionen von der Steuerschuld der Unternehmen abgezogen. Es würde also schon Geld investiert werden, bevor die Förderung greift. Das macht diese ergänzende Maßnahme auch für die Politik spannend: Immerhin sind so die Schaffung hochklassiger Arbeitsplätze, zusätzliche Investitionen und Steuereinnahmen sichergestellt.