Überblick Games-Branche in Deutschland

Games sind das fortschrittlichste Medium unserer Zeit: Sie sind gleichermaßen Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor. Sie vereinen nicht nur alle vorangegangenen Medienformen, Sprache, Text, Klang und Bewegtbild, sondern erweitern diese durch ihre spezifische Eigenschaften Interaktivität, dem Spielerischen und dem Sozialen zu einer einzigartigen Erfahrung. Zur Games-Branche gehören daher zahlreiche Akteure, allen voran die Spiele-Entwickler und Publisher. Darüber hinaus zählen zum Ökosystem der Games-Branche auch viele weitere Akteure wie Bildungseinrichtungen, Dienstleister, Handelspartner, Investoren und Medien.
 
In der heutigen Games-Branche sind die früheren Grenzen zwischen klassischen Entwicklungsstudios und Publishern zunehmend verschwunden. Dank eines Angebots unterschiedlich kostenintensiver Produktionsmittel können Spiele mittlerweile sowohl von kleinen Zwei-Mann-Studios entwickelt werden, wie auch von Teams mit mehreren Hundert Spezialisten. Durch Download-Portale ist es so einfach wie nie, sein digitales Spiel weltweit zu verbreiten. Dieser Wandel in den Produktions- und Distributionsmöglichkeiten hat zu einer nie dagewesenen Vielfalt an Spielen und Entwicklungsstudios geführt.
 
Immer häufiger entwickeln Publisher Spiele in eigenen, großen Entwicklungsabteilungen. Nicht selten operieren diese mit Produktionsbudgets von mehreren 100 Millionen Euro, um hausinterne Spiele-Projekte zu realisieren, die auf der ganzen Welt Verbreitung finden. Im Markt der Browser- und Mobile-Games werden viele Titel dagegen direkt über die Online-Portale der auch für die Entwicklung zuständigen Unternehmen betrieben beispielsweise zum Download in den App-Stores angeboten. Viele dieser Spiele werden mittlerweile über den Zeitraum mehrerer Jahre hinweg von den Fans gespielt. Darüber hinaus können heute selbst kleine und unabhängige Entwickler-Teams über neue Finanzierungsformen wie Crowd-Funding ihre Spiele-Produktion selber finanzieren und ihre Titel direkt über Download-Plattformen weltweit anbieten. Aus Deutschland kommen zudem einige der erfolgreichsten Spiele-Projekte, die über Crowd-Funding finanziert wurden.
 
Die dynamische Entwicklung der Computer- und Videospielbranche schafft dabei immer wieder neue Möglichkeiten sich als Entwicklungsstandort international zu etablieren: So hat sich Deutschland in der Vergangenheit vor allem als Standort für die Entwicklung anspruchsvoller Strategiespiele, Management-Simulationen und Point’n‘Click-Adventures einen Namen gemacht, die vor allem auf dem heimischen Markt sehr beliebt waren. Mit dem Aufkommen der Online- und Browser-Games und dem Markterfolg von Spiele-Apps für Smartphones und Tablets gab es hier allerdings einen Trendwechsel: So konnten gerade auch in Deutschland gegründete Unternehmen in diesem Segment große Erfolge feiern – auch auf dem internationalen Markt. Einige unabhängige Entwicklerstudios haben sich außerdem mit PC- und Konsolenspielen weltweit einen Namen gemacht.
 
ArbeitsmarktInsgesamt gibt es heute rund 500 in Deutschland angesiedelte Unternehmen, die als Entwickler, Publisher oder in einer Kombination aus beidem als Anbieter in der Games-Branche operieren. Die Hotspots der deutschen Entwickler stellen dabei Berlin, Hamburg, München, das Rhein-Main-Gebiet (Frankfurt) und Nordrhein-Westfalen (Köln, Düsseldorf) dar. Unsere gamesmap bietet einen Überblick über die Standorte und Unternehmen der Branche.
 
Die Games-Branche bildet einen zentralen Bestandteil der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland, in der rund 12.000 Menschen bei rund 500 Unternehmen beschäftigt sind. Zählt man auch die Beschäftigten hinzu, die in der erweiterten Wertschöpfungskette mit der Games-Branche verbunden sind – etwa als Fachverkäufer im Einzelhandel, Journalisten, Wissenschaftler, Mitarbeiter von Behörden und Institutionen –, so steigt die Anzahl der durch die Computer- und Videospielbranche gesicherten Arbeitsstellen auf rund 30.000. Besonders in den Regionen Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rhein-Main, Hamburg und Berlin sorgen digitale Spiele für neue Arbeitsplätze. Deutsche Unternehmen haben sich international einen Namen machen können und exportieren ihre Spiele mittlerweile in mehr als 50 Länder weltweit.
 
Zu den wichtigsten Berufsfeldern im Bereich Games-Entwicklung zählen die Game-Designer, Programmierer, Grafiker oder Producer. Viele Bildungseinrichtungen, private wie staatliche, bieten spezifisch auf die Games-Branche zugeschnittene Studiengänge und Abschlüsse an. Um der Nachfrage der Branche nach qualifizierten Arbeitskräften gerecht zu werden und Deutschland als Entwicklungsstandort nachhaltig zu stärken, wird es in Zukunft notwendig sein, das Ausbildungsangebot im Dialog mit der Wirtschaft weiter auszubauen. Einen Überblick über das Angebot an Games-relevanten Studiengängen bietet unser Ausbildungskompass-Games.