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eSports

Ausverkaufte Hallen, Millionen Fans, großes Interesse seitens der Politik: eSports hat sich in den vergangenen Jahren zum Massenphänomen entwickelt. Fanden die Wettkämpfe in Computer- und Videospielen anfangs noch bei privaten LAN-Partys statt, werden sie heute in ausverkauften Stadien und von einem Millionenpublikum per Livestream verfolgt. Allein die „League of Legends World Championship“ 2017 etwa sahen rund 80.000 Zuschauer vor Ort und über 40 Millionen per Livestream. Gespielt wird dabei heute nicht mehr um Sachpreise – es geht um Preisgelder in Millionenhöhe.

eSports hat in den vergangenen Jahren den Sprung aus der Nische in den Mainstream geschafft.

eSports hat in den vergangenen Jahren den Sprung aus der Nische in den Mainstream geschafft. In Deutschland kennt den digitalen Sport bereits rund jeder Dritte. Bei den 16- bis 24-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Doch nicht nur als Zuschauer zieht eSports immer mehr Deutsche in seinen Bann: Derzeit kann sich rund jeder fünfte Gamer in Deutschland vorstellen, in Zukunft selbst bei eSports-Events anzutreten, also rund 9 Millionen Spieler. Mehr als 4 Millionen Gamer haben darüber hinaus schon selbst als Spieler bei eSports-Turnieren  teilgenommen und sich in eSports-Ligen engagiert.

Bekanntheit von eSports wächst

Anteil der deutschen Internetnutzer, die bereits von eSports gehört haben und die Bedeutung kennen

eSports wird zum Breitensport

Knapp jeder vierte Gamer in Deutschland kann sich vorstellen, sich in einem eSports-Verein zu engagieren

eSports ist damit längst zum Breitensport geworden. Das zeigt auch die wachsende Zahl von eSports-Vereinen und -Hochschulgruppen in Deutschland. Heute gibt es deutschlandweit eSports-Vereinigungen auf lokaler und regionaler Ebene, etwa in Berlin, Leipzig und Magdeburg. Sie bieten den interessierten Spielerinnen und Spielern die Möglichkeit zum Austausch und zum gemeinsamen Training. Und sie bilden die Basis für die Stärkung des wachsenden Amateur-Bereichs und sind wichtiger Teil der Nachwuchsförderung. Rund ein Viertel der deutschen Gamer kann sich vorstellen, sich in einem solchen eSports-Verein zu engagieren. Darüber hinaus nehmen auch immer mehr klassische Sportvereine eSports in ihr Programm auf. Für sie bietet der digitale Sport eine tolle Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erschließen und Nachwuchsmitglieder für ein soziales Engagement im Vereinsleben zu begeistern.

Gesellschaftlich ist eSports damit von höchster Relevanz, und auch wirtschaftlich bieten sich zahlreiche Potenziale. Längst haben Sportvereine wie der VfL Wolfsburg oder der FC Schalke 04, TV-Sender wie Sky und Sport1 oder namhafte Sponsoren wie Vodafone, Mercedes-Benz und Coca-Cola das Potenzial von eSports erkannt und engagieren sich in dem Bereich als Partner oder mit eigenen eSports-Teams. Dem weltweiten eSports-Markt wird bis 2021 ein Umsatz von weit über 1 Milliarde US-Dollar vorausgesagt. Und auch Deutschland bietet sich hier eine tolle Chance, sich als Pfeiler des internationalen eSports zu positionieren: Denn als Heimat und Austragungsort vieler international renommierter Wettkämpfe wie der „ESL One“-Turniere in Köln und Hamburg, der „League of Legends Championship Series“ oder des „PUBG Global Invitational“ kann Deutschland eine tragende Rolle im digitalen Sport einnehmen. Das Problem: Trotz aller positiven Entwicklungen und Prognosen fehlt es eSports in Deutschland an der sportpolitischen Anerkennung.

Mittlerweile stellen Sportvereine wie der VfL Wolfsburg oder der FC Schalke 04 eigene eSports-Teams.

Denn auch wenn eSports-Athleten in vielerlei Hinsicht physische und psychische Höchstleistungen erbringen müssen, wird eSports in Deutschland bisher noch nicht als Sportart anerkannt, anders als in über 45 Ländern weltweit. Es besteht bisher keine Möglichkeit, steuerrechtlich als gemeinnützig anerkannte Sportvereine zu gründen. Ebenso ist eine Unterstützung nach den Sportförderungsgesetzen auf Landesebene derzeit nicht möglich. Diese und zahlreiche weitere Einschränkungen verhindern bisher noch die volle gesellschaftliche und wirtschaftliche Entfaltung von eSports in Deutschland.

Umso erfreulicher ist deshalb das Vorhaben der neuen Bundesregierung, eSports künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anzuerkennen. Zum anderen ist die Aufnahme von fußballbezogenen Computer- und Videospielen in den Sportkanon des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein wichtiger Schritt zur weiteren sportpolitischen Anerkennung von eSports in Deutschland.